Bericht: Ironman 70.3 Wiesbaden

Was ein Jahr. Schon Anfang Januar hatte ich bereits 2 Monate Training für meinen ersten Ironman hinter mir. Und 2014 endete mit einer persönlichen Bestzeit von 1:33:41 beim Teltow Halbmarathon. Es sah also so aus, als ob es das sportlichste Jahr meines Lebens wird. Als mich im Februar eine Erkältung vom Training abhielt habe ich meine Energie eingesetzt, um diese Webseite zu starten. Doch ich wurde übermütig. Über Ostern fuhr ich mit dem Rad von London nach Cornwall und habe dabei mein Knie überlastet. 4 Monate sollte es dauern, bis das Knie wieder geheilt war. Erst kurz vor dem Stichtag habe ich mein Knie bei längeren Belastungen nicht mehr gespürt. Mein erster Ironman sollte also spannend werden, denn es ging nicht um eine Zeit, sondern um das Ankommen.

Am Freitag war ich aus London angereist und am Samstag habe ich mich vor Ort angemeldet und mein Rad abgestellt. Soweit war alles prima, bis auf das Wetter. Zwischenzeitlich waren es über 40 Grad und ich bin nicht gerade gut zu sprechen auf Hitze. Egal. Das Knie ist wieder fit. Ich nicht so. Es geht um das Ankommen.


 

Ironman WiesbadenBeim Schwimmen habe ich mich zurückgehalten. Ich wollte die Disziplin einfach sicher hinter mich bringen. Das hat auch gut funktioniert. Vermutlich hätte ich da noch ein bisschen Zeit gut machen können.

0:42:10


Ich hatte im Vorfeld ein wenig Angst, dass ich aufgrund der vielen Steigungen auf der Radstrecke wieder Knieprobleme bekommen könnte. Auch habe ich kaum Steigungen traniert. Und auch wenn die Temperatur am Sonntag nicht so hoch war, wie am Freitag, so wusste ich auch nicht, wie ich auf die Hitze reagiere. Also war mein Plan mehrheitlich in Zone 2 zu bleiben. Im Schnitt bin ich 77% meiner maximalen Herzfrequenz gefahren. Ich hatte grob vorher gerechnet und gehofft einen Schnitt von 27 km/h zu fahren. Mit 26,6 war ich zwar etwas darunter, aber ich fühlte mich fit und war bis dahin zufrieden mit dem Rennverlauf.

Meine Verpflegung auf dem Rad bestand aus 4 Einheiten:

  • Gel + Wasser + halbes Knoppers
  • Iso + Gel + Wasser
  • Iso + Gel + Wasser
  • Iso + Wasser

In den letzten Flaschen war noch etwas drin. Iso habe ich irgendwann kaum noch runter bekommen.

3:32:26


Ironman WiesbadenIch komme aus der Wechselzone und höre auf einmal Leute rufen: „HELM, HELM!“ Den hatte ich auch tatsächlich noch auf. Ein Helfer nahm ihn mir zum Glück entgegen, ich war schon dabei umzudrehen. Ansonsten fühlte ich mich fit und fing an ein 5:00 min/km Tempo zu laufen.

Doch es wurde immer wärmer. Bei jeder Verpflegungsstation schüttete ich mir Wasser über den Kopf. Auch Wasser, Iso und Cola habe ich fast immer zu mir genommen.

Nach der ersten Runde wurde klar, dass ich mit 5:15 unter meinem geplanten Schnitt laufe. Und es wurde hart. Die zweit Runde wurde anstrengend und die letzten beiden richtig quälend. Ich bin nur noch gekrochen und habe mich darauf konzentriert einfach weiterzulaufen. Die Zeit war mir mittlerweile egal. Ich habe mich mental von Verpflegungsstation zur Verpflegungsstation gehangelt. Bei jeder habe ich mir kurz erlaubt zu gehen, während ich getrunken habe. Auf den letzten Kilometern habe ich teilweise laut geflucht.

Mein Puls war mit einem Schnitt von 164 recht niedrig. Normalerweise laufe ich Halbmarathons mit 185-190 im Schnitt. Auch die Schmerzen in den Beinen waren noch erträglich, wo sich am meisten die großen Gesäßmuskel gemeldet haben. Trotzdem ging es einfach nicht mehr schneller. So recht kann ich mir das nicht erklären. War es die Hitze? Die Verpflegung? Das mangelnde Training aufgrund der Verletzung?

2:06:37


Vielleicht gerade wegen dieses Einbruchs beim Laufen und des mentalen Kampfes und vielleicht auch wegen der langen Verunsicherung, ob ich trotz der Knieverletzung antreten könnte, war der Lauf auf der Zielgeraden spektakulär. Ich hatte gekämpft und ich hatte durchgehalten. Als der rote Teppich anfing waren alle Schmerzen für eine kurze Zeit wie weggeblasen. Sogar ein Lächeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab. Ich hatte es geschafft. Was ein wunderbares Gefühl.

6:19:44


Im Zielbereich redete ich direkt nach dem Einlauf kurz mit meinen Eltern. Ich habe noch nie erlebt, dass es mich so anstrengte ganze Sätze zu formulieren. Für mich ein Zeichen, dass ich mehr gegeben hatte als bei bisherigen Rennen. Eine halbe Stunde noch sollte ich mich richtig abgeschlagen und körperlich schlecht fühlen. Essen und trinken fiel mir schwer. Doch dann ging es rasant bergauf und nach einer Stunde fühlte ich mich wieder fit, hatte Appetit und war in bester Stimmung, um von meinem Erlebnis zu erzählen.

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