Die 2 Seiten der ARFID (SED)

Die Probleme, die sich mi einer ARFID* (avoidant/restrictive food intake disorder) ergeben, können sich meines Erachtens in zwei Hauptkategorien unterteilen: soziale Probleme und gesundheitliche Probleme.

Für diese zwei Kategorien können sich dann auch ganz andere Lösungsansätze ergeben. Vor allem um die Probleme der Essstörung von anderen Seiten zu lösen, als nur mit der brachialen Methode vielfältiger essen zu wollen. Im Folgenden will ich ein paar erste Ideen dazu festhalten.

Soziale Probleme

Soziale Probleme entstehen dadurch, dass das Verhalten in der Gesellschaft nicht als normal gilt. Mir persönlich sind gesellschaftliche Situationen, in den Essen eine Rolle spielt, oft sehr unangenehm. Ich ziehe mich deshalb oft zurück, um diese zu umgehen. Auch für andere nicht nachvollziehbares Verhalten habe ich sicherlich das ein oder andere Mal an den Tag gelegt, nur um von meinem Essverhalten abzulenken oder nicht darüber sprechen zu müssen.

Folgende Lösungsansätze fallen mir dazu ein:

  • Sich und seine Essprobleme zu akzeptieren und damit selbstbewusster auch vor anderen damit umgehen zu können.
  • Zu lernen sich anderen anzuvertrauen und versuchen zumindest ein enges Umfeld einzuweihen, in dem das Thema nicht mehr zu Unbehagen führt.
  • Über das Thema öffentlich mehr informieren. Das es jetzt eine offizielle Bezeichnung dafür gibt hilft mir zum Beispiel schon sehr. Selbst wenn ich diese nicht im sozialen Umfeld verwende, so ist mir immerhin bewusst, dass ich damit nicht allein stehe und es ein diagnostizierbares Problem darstellt.
  • Mit Leuten in Kontakt zu treten, die auch unter ARFID leiden.

Gesundheitliche Probleme

Bisher ist mir nicht bekannt, dass ich durch mein Essverhalten gesundheitliche Probleme habe. Mir geht es gut und ich bin gesund. Trotzdem fehlt es meiner Ernährung sicherlich an Vielfalt und Ausgewogenheit. Ich habe schon zweimal ein großes Blutbild machen lassen, um zumindest grobe Mängel ausschließen zu können.

Ich kann trotz meiner Essstörung einiges machen, um die Chance auf mögliche gesundheitliche Probleme zu minimieren. Es gibt viele Leute die es ganz ohne Essstörungen schaffen ungesund zu leben und es gibt viele gesunde Leute mit Essstörungen. Viele der Ursachen für ein ungesundes Leben sind zunächst mal unabhängig vom Essen. Gerade auf diese sollte noch mehr geachtet werden, falls es beim Essen vielleicht Mängel geben sollte. Hier ein paar Ansätze, wobei ich hier Gesundheit nur auf körperlicher Ebene betrachte.

  • Ein aktives Leben mit sportlichen Aktivität ist eine der Grundpfeiler des gesunden Lebens. Ich persönliche mache zur Zeit 6 mal die Wochen Sport. Das geht von 20 Minuten Krafttraining bis zum 2 Stunden Lauf.
  • Genug Schlaf, positiver Stress, Entspannung, Ausgeglichenheit und soziale Beziehungen sind unabhängig vom Essen. An all diesen Elementen lässt sich aktiv arbeiten.
  • Nicht rauchen und Alkohol in Maßen genießen.
  • Sich über nötige Makro- und Mikronährstoffe informieren und sein Essen soweit wie möglich anpassen. Gerade in den Medien werden einige unsinnige Sachen behauptet, von den neusten Kuren und Diäten. Bei dem Thema ist also Vorsicht geboten. Auch sind viele Zusammenspiele bei der Ernährung schlicht noch nicht bekannt. Bei allen neuen Hypes gilt es genauer hinzuschauen und nicht einfach dem Hörensagen oder Personen des öffentlichen Lebens zu vertrauen. Generell würde ich deshalb sagen, dass es sinnvoll ist sich möglichst vielfältig zu ernähren.  Aber gerade das ist ja eher schwer möglich. Ich kann zumindest einige Säfte und Smoothies trinken und versuche so an mein Obst und Gemüse zu kommen, auch wenn es nicht immer der optimale Weg ist. Manchmal nehme ich Greens oder Vitamine und Mineralien ein. Vor allem aufgrund meines Sports nehme ich noch Protein zu mir. Außerdem versuche ich möglichst auf Zucker zu verzichten.

*Ich habe nun auch zwei deutsche Übersetzungen gefunden: Vermeidende/restriktive Nahrungsaufnahmestörung oder vermeidend/restriktive Essstörung. Allerdings sind Informationen auf Deutsch im Internet noch sehr rar gesät.

8 thoughts on “Die 2 Seiten der ARFID (SED)

  1. Hallo! Ich bin gerade über deinen Beitrag gestolpert auf der Suche nach Menschen, die ebenfalls wie ich erwachsene Picky Eater sind. Du bist die erste deutschsprachige Person, die ich auf dieser Suche gefunden habe. Wenn du Lust an etwas Austausch hast, melde dich doch einfach bei mir. Meine E-Mail-Adresse hast du ja :). LG, Beate

  2. Hallo,
    ich bin durch einen anderen Artikel auf diesem Blog gelandet. Wenn ich richtig vermute, kannst du gewisse Lebensmittel nicht essen, bzw. noch nicht mal probieren, weil dann eine Art „Würgeprogramm“läuft.
    Vielleicht meldest du dich einfach mal und es kann mal ein Austausch entstehen.
    Gruß
    Sara

  3. Hallo, meine Tochter ist 10 und lehnt bis auf ein paar klassische Wiener Süßspeisen, Reis, Butternudeln, Kartoffel und normales Joghurt alle Nahrungsmittel ab. Ich würde nun gerne wissen, ob dies bei euch so ähnlich ist. LG Sonja

  4. Hallo,
    bisher kannte ich nur den Begriff Peaky Eater…heute tatsächlich in der BILD auf ARFID gestossen und über Google auf Dich. Mein Sohn ist 9 Jahre alt…und seit 5 Jahren ist Schluss mit probieren. Kein Obst, kein Gemüse…aber kerngesund. Blutbild sagt es! Und es ist ja nicht so, dass er unglücklich wäre….dass sind nur wir!

  5. Ich bin auch durch den Beitrag auf Bild hier her gekommen, da ich schon lange auf der Suche nach Gleichgesinnten bin. :)

    Ich bin mittlerweile 34 Jahre alt und esse seitdem ich ca. 5-6 Jahre alt bin nur noch auserwählte Sachen. Das sind hauptsächlich Fleisch und Kohlenhydrate in Form von Nudeln, Pommes oder Kartoffeln.

    Gemüse oder roher Salat sind bei mir absolute Sperrzone. Auch Gerichte die Fisch, Essig oder Senf enthalten kann ich leider nicht Essen, da mein Kopf mir das einfach nicht zulässt. Der Geruch alleine reicht, schon, damit ich die Flucht ergreife. Das hat in meinem familiären Umfeld schon immer für Kopfschütteln gesorgt, problematisch wird es dann aber bei dem ein oder anderen Geschäftsessen.

    Ich würde gerne an der Sache arbeiten, aber bisher hat mich jeder Arzt ,dem ich das erzählt habe, nur müde belächelt und vermutlich gedacht, dass ich eine an der Klatsche hab.

    Wenn es also dem ein oder anderen auch so geht, so wäre ein Austausch, evtl. auch über Therapiemaßnahmen eine tolle Sache.

    Viele Grüße
    Daniel

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