Garmin Connect: Die verpasste Chance

Garmin Connect wäre das ultimative Mittel zur Kundenbindung in einem heiß umkämpften Markt. Leider scheint Garmin diese Chance gewollt oder ungewollt zu verpassen. Es scheint an einer vernünftigen Zielsetzung zu fehlen. Halbherzig werden neue Funktionen eingeführt, obwohl Basisfunktionen seit langem bekannte Lücken aufweisen. Das man von dem 2014 eingeführten Interface (modern) immer noch auf den Vorgänger (classic) wechseln kann ist ein klares Zeichen, das etwas nicht stimmt.

Mein Hintergrund

Die Perspektive aus der ich schreibe ist die eines etwas frustrierten Nutzers. 2009 habe ich mit dem Laufen angefangen und mir schon bald eine Garmin Forerunner 305 gekauft. Die mitgelieferte Software Garmin Training Center war solide, aber habe ich trotzdem irgendwann mit SportTracks ersetzt.
Also ich mich 2014 im Triathlon versucht habe, da habe ich mir die Garmin Forerunner 920xt gegönnt. Mit ihr habe ich Garmin Connect eine Chance gegeben. Die Uhr synchronisiert automatisch über WLAN die Daten. Das erschien mir sehr praktisch.
Schon damals hatte ich überlegt einen längeren Beitrag über Garmin Connect zu verfassen, da mich so einiges gestört hat. 2016 ist zwar einiges besser geworden, aber zufrieden bin ich noch lange nicht. Mich stören vor allem die Mängel an den Basisfunktionen.

Kundenbindung

Garmin hat einiges an Erfahrung im Bereich GPS und Sportuhren. Mit Firmen wie Polar und Suunto waren sie lange die einzigen, von denen gesprochen wurde in diesem Segment. Doch die Zeiten ändern sich. Smartwatches sind im kommen und drängen auch in Segmente vor, die mit Garmin überschneiden. Zugegen kann eine Apple Watch ein ernsthafte Laufuhr ersetzen, geschweige denn einen Triathlon durchhalten. Aber die Entwicklung wird schließlich weitergehen. Zur Zeit ist Garmin nach den neusten Zahlen sehr gut aufgestellt. Und genau deshalb wäre es für Garmin so sinnvoll nicht nur in ihre Produkte zu investieren, sondern auch in die Plattform. Und Garmin scheint das durchaus erkannt zu haben. Mit Connect IQ gibt es seit letztem Jahr so etwas wie einen App-Store für Garmin Produkte. Auch Garmins Sportuhren sind smart.
Mir unverständlich ist aber, dass Garmin relativ wenig in Garmin Connect zu investieren scheint. Und wenn, dann an den falschen Stellen. Garmin Connect ist der erste Anlaufpunkt für alle neuen Nutzer. Würden sie hier eine überzeugende Lösung vorstellen, dann hätte Garmin die optimale Plattform für die Kundenbindung. Denn wenn alle meine Daten schon in Garmin Connect vorhanden sind und ich die Plattform mag, dann fällt die Entscheidung für meine nächste Uhr doch sehr viel wahrscheinlicher wieder auf eine Garmin. Wenn ich hingegen Basisfunktionen vermisse und umständlich meine Daten zu anderen Produkten kopieren muss, dann fällt dies auch auf meine Uhr zurück.
Meines Erachtens sollte Garmin mehr in die Entwicklung stecken und dabei klar abgesteckte Ziele verfolgen. Bevor die Entwicklung von zusätzchlichen Elementen wie zum Beispiel Segmente sinnvoll sind, sollten erst Mal die gröbsten Bugs gefixt werden und die Basisfunktionen verwendbar gemacht werden. Auch eine klare Kommunikation über die Entwicklung und in den hauseigenen Foren ist dringend nötig.

Die Details

Hier eine unvollständige Liste an konkreten Punkten, die bei Garmin Connect zu wünschen übrig lassen:

  • Seit ca. 5 Monaten verhindert ein Bug, dass alle Aktivitäten in den Berichten aufgelistet werden. Das Problem ist Garmin offenbar bekannt, aber wurde noch nicht gelöst.
  • Die automatische Skalierung bei Grafiken funktioniert meist nicht und eine manuelle Option gibt es nicht. Wenn man beispielsweise bei einem Lauf anhält und die Pace in den Keller geht, dann skaliert der Graph nach diesen niedrigen Werten und alles anderen Werte werden daher nicht mehr gut angezeigt.
  • Wenn man in einen Graph zoomt, dann wird die Skalierung leider nicht auf diesen Teil angepasst. Außerdem wäre es gut von dem gewählten Ausschnitt Durchschnittswerts zu sehen. So kann man beispielsweise nach einem Rennen die erste und zweite Hälfte markieren und schnell sehen, ob man einen negativen Split hatte.
  • Allgemein mangelt es an Hilfsmitteln die aufgenommen Daten zu analysieren und zu vergleichen.
  • Berichte hätte ich gerne über mehrere Jahre. Warm die Begrenzung auf 12 Monate?
  • Es wäre gut, wenn sie einzelne Berichte merken würden, was für Aktivitäten man auswählt. So könnte man auf dem Dashboard Berichte für einzelne Aktivitäten anlegen.
  • Es wäre gut, wenn es eine Möglichkeit gäbe bei Berichten die Zeit nicht nur in Minuten, sondern auch in Stunden und Minuten anzeigt zu bekommen. Wer rechnet im Normalfall schon damit, dass er im Monat 452 Minuten gelaufen ist?
  • Nach langem Warten wird nun endlich die Zeit in Herzfrequenzbereichen angezeigt. Eine Funktion die viele Uhren hatten, aber beim Garmin Connect gefehlt hat. Warum kann ich dies aber nicht in den Berichten ersehen, sondern nur für eine konkrete Aktivität?
  • Mangelnde Informationspolitik vor allem über Updatepläne.

Fazit

Aus ganz egoistischen Gründen wünsche ich mir, dass Garmin irgendwann mehr Wert auf Garmin Connect legt. Ich habe ca. 1,5 Jahre abgewartet und bin zwischenzeitlich immer wieder zu Sporttracks zurückgegangen, wenn ich mir einzelne Läufe oder meine Entwicklung genauen ansehen wollte. Ich hatte gehofft, dass dies irgendwann nicht mehr nötig sein wird. Gerade überlege ich mir, ob ich versuchen sollte komplett auf ein anderes Werkzeug umzusteigen.

Einige Hersteller nehmen gerade eine Menge Geld in die Hand, um sich Plattformen und ihre Nutzer einzukaufen. Letztes Jahr hat Under Armour MapMyFitness und Adidas Runtastic übernommen. Warum Garmin eine so große Chance verspielt im heiß umkämpften Fitness-Markt verstehe ich nicht. Es wäre ein einfaches mit einem überzeugenden Garmin Connect eine hohe Kundenbindung aufzubauen.

One thought on “Garmin Connect: Die verpasste Chance

  1. Danke, das ist was ich denke. Ich nutze auch die 920XT und etrex30 und vivosmart, aber gerade die Funktionen für das Training fehlen. Der vergleichende Graph.
    … oder ganz einfach eine Exportfunktion zu einer anderen Anwendung, die das dann darstellen kann.
    Leider hatte ich nur mit einer weiteren Software und ewigen hin und hergeschiebe die Möglichkeit Trainings zu vergleichen.
    Ja, Garmin könnte noch stärken sein, wenn man nicht nur die Fitnessbänder betrachtet sondern wirklich mal die Sportler.

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